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Parlamentsstenografie in Sachsen

Die Verfassung des Königreichs Sachsen vom 4. September 1831 sah öffentliche Verhandlungen beider Ständekammern vor. Zum Zwecke einer umfassenden Berichterstattung ließ die Arnoldsche Buchhandlung in Dresden ein „Landtagblatt“ erscheinen. Als Stenografen für den ersten sächsischen Landtag 1833 verpflichtete der Redakteur Dr. Karl Krause Franz Jacob Wigard, einen der ersten Schüler Gabelsbergers, des Erfinders der deutschen kursiven Stenografie.
Kurz darauf arbeitete Wigard für die „Leipziger Zeitung“, die im Auftrag der sächsischen Regierung in einer Beilage über die Parlamentssitzungen berichtete. 1835 wechselte er in den Staatsdienst und übernahm die Leitung des stenografischen Büros für den Landtag mit der Auflage, in den landtagsfreien Zeiten Parlamentsstenografen auszubilden.
Mit der Gründung des "Königlichen Stenographischen Instituts" 1839 in Dresden wurde Wigard dessen Leiter. Neben dem stenografischen Dienst für den Landtag oblagen dem Institut die Ausbildung von Stenografen sowie wissenschaftliche und publizistische Tätigkeiten zur Verbreitung der Stenografie. Seit 1850 war dem Institut eine öffentliche stenografische Fachbibliothek zugeordnet.

1907 zog das "Königliche Stenographische Institut" in das neugebaute Ständehaus an der Brühlschen Terrasse und wurde in "Stenographisches Landesamt" umbenannt. Mit der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten 1933 und der Auflösung der Länderparlamente entfiel die Aufgabe, deren Verhandlungen aufzuzeichnen. Das Landesamt wurde personell stark reduziert, konnte aber unter Beibehalt seiner Ausbildungsfunktionen bis zur Schließung im Jahr 1944 weiterarbeiten.

1947 erhielt Dr. Fritz David von der sächsischen Landesregierung den Auftrag, das Stenografische Landesamt neu aufzubauen. Nach der Auflösung der Länder und ihrer Parlamente in der DDR 1952 wurden die Stenografen des Landesamtes u.a. bei den Sitzungen der Bezirkstage von Dresden, Chemnitz, Cottbus und Neubrandenburg eingesetzt, 1966 wurde das Landesamt endgültig aufgelöst. Seine Ausbildungsfunktionen gingen auf Berufs- und Volkshochschulen und Lehrerbildungseinrichtungen über, die stenografische Fachbibliothek wurde der Sächsischen Landesbibliothek angeschlossen.